LTE / 4G 300 Mbit/s möglich

Grundlegendes zuerst: LTE steht für „Long Term Evolution“ und soll derzeit in der  höchstmöglichen Ausbaustufe beim Download theoretischer Datenraten von bis zu 300 Megabit pro Sekunde (MBit/s) ermöglichen. Inzwischen sind auch Geräte verfügbar, die eine so hohe Download-Geschwindigkeit  erreichen können.

Nur kurze Verzögerungen

Neben den höheren Datenraten bringt LTE im Vergleich zu UMTS/HSPA einen weiteren Vorteil: Die Laufzeiten der Datenpakete verringern sich bei LTE deutlich: Statt der bei UMTS üblichen 60 bis 120 Millisekunden sind die Daten in der Regel nur noch halb so lange unterwegs, nämlich zwischen 30 und 60 Millisekunden. Für die Nutzer führt das vor allem beim Websurfen zu schnelleren Seitenaufrufen, da das Handy zur Anzeige von Webseiten in der Regel Informationen von vielen verschiedenen Servern einsammeln muss.

LTE-Frequenzen: 800, 1.800 und 2.600 MHz

Derzeit kommen in Deutschland drei Frequenzbänder für LTE zum Einsatz. Sie liegen bei 800, 1.800, und 2.600 MHz. Diese Bänder wurden im Rahmen einer Frequenzversteigerung im Jahr 2010 an die Netzbetreiber verteilt. Am meisten bezahlten die Netzbetreiber Telekom, Vodafone und O2 für den Bereich um 800 MHz – auch „Digitale Dividende“ genannt. Die entsprechenden Frequenzbereiche wurden bei der Umstellung des terrestrisch empfangbaren Fernsehprogramms von Analog- auf Digitaltechnik (DVB) frei. Sie sind deshalb sehr begehrt, weil Funksignale im 800-MHz-Bereich eine wesentlich grössere Reichweite haben, als in den Bändern um 1.800 und 2.600 MHz. Die Netzbetreiber können über LTE 800 mit weniger Funkmasten die gleiche Fläche mit LTE versorgen als mittels Angeboten in höheren Frequenzbereichen.

Inzwischen sind alle deutschen Netzbetreiber auf den LTE-Zug aufgesprungen. E-Plus hatte anfangs noch gezögert. In den ländlichen Gegenden setzen alle Netzbetreiber auf LTE 800. O2 und Vodafone verwenden diesen Frequenzbereich auch zum grossen Teil für die Versorgung städtischer Gebiete. Das Band um 2.600 MHz kommt bei Vodafone zusätzlich zum Einsatz, bei der Telekom und O2 dagegen (noch) kaum. Grund: Dieses Band ist derzeit bei beiden Netzbetreibern für die Versorgung stark besuchter Orte, etwa Bahnhöfe und Flughäfen, vorgesehen. Denkt man in Richtung LTE Cat6, so könnten die 2.600 MHz aber noch wichtig werden (dazu später mehr).

Als drittes Überträgermedium wird das Frequenzband um 1.800 MHz verwendet. Während Telekom das 1.800er-Band vor allem in Städten einsetzt, versorgt E-Plus alle seinen Kunden über 1.800 MHz. Folglich ist die Verfügbarkeit in ländlichen Gebieten nicht sonderlich gut, die Geschwindigkeit beim grünen Netzbetreiber stimmt dagegen. Bei Base gibt es LTE mit bis zu 50 MBit/s übrigens zu jedem Vertrag dazu.

Telefonieren mit LTE?

LTE bietet als rein paketbasiertes Netz keinen separaten, verzögerungsfreien Kanal für Sprachdaten an. Daher können Telefonate im LTE-Netz ausschliesslich per Voice over/über IP übertragen werden. Das ist zwar grundsätzlich kein Problem, doch derzeit gibt es noch Schwierigkeiten mit der Interoperabilität zwischen VoIP und der Sprachtelefonie in den „alten“ 3G- und 2G-Netzen. Alle Netzbetreiber haben sich auf eine einheitliche Lösung namens VoLTE (Voice over/über LTE) geeinigt. Bis diese in den jeweiligen Netzen umgesetzt ist, dauert es noch etwas.

Grundsätzliches Telefonie-Problem im 4G-Netz: Zum Telefonieren muss sich ein Handy derzeit beim LTE-Netz abmelden und ins 3G- (UMTS) oder 2G-Netz (GSM) wechseln. Bei diesem Circuit Switch Fallback (CSFB) genannten Verfahren entstehen beim Rufaufbau Verzögerungen.

Was sind LTE Cat4, LTE Cat6, LTE-A, LTE+ &Co.?

Die Netzbetreiber schleudern dem Ottonormalverbraucher allerhand Marketing-Begriffe um die Ohren. Dabei ist alles eigentlich ganz einfach: LTE im 800-MHz-Band hat eine grössere Reichweite und dringt besser ins Gebäude ein, ist also für die Indoor-LTE-Versorgung gut geeignet. Allerdings steht jedem Netzbetreiber im 800-MHz-Bereich nur eine Bandbreite von je 10 MHz für Sende- und Empfangsrichtung zur Verfügung. Damit erreichen die 800er-LTE-Netze derzeit maximal 50 bis 75 MBit/s in Download-Richtung. Bei 1.800 und 2.600 MHz kann jeder Netzbetreiber (falls er genügend Frequenzblöcke ersteigert hat) bis zu 20 MHz zur LTE-Übertragung verwenden. Werden beide Bänder bei der sogenannten „Carrier Aggregation“ zusammengeschaltet, sind auch bis zu 300 MBit/s in Sachen Übertragungsgeschwindigkeit möglich.

LTE Cat4

Sunrise, Swisscom und Salt haben ihre Netze bereits für LTE in der Schweiz aufgerüstet. Die maximale Geschwindigkeit  im Downstream liegt hier bei 150 MBit/s. Besonders Ballungszentren wie Flughäfen und Bahnhöfe werden um das schnellere  4G-Netz ergänzt.